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Eine neue Phase in der Geschichte der Juden
Marktbreits begann im Jahre 1636, als der Würzburger
Bischof Franz von Hatzfeld Juden gegen hohes Schutzgeld in
den Ort einwies.
Unter der nachfolgenden Schwarzenberger Herrschaft waren jüdische
Familien in begrenzter Zahl geduldet, ehe ein größerer Zuzug
nach 1690 begann. Die danach einsetzende 2. Blütezeit des
Marktbreiter Handels zu Beginn des 18. Jahrhunderts wäre ohne die
in etwa gleich große Beteiligung jüdischer und christlicher Kaufmannsfamilien
nicht denkbar gewesen.
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Ehemalige Synagoge
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Ein vorhandenes jüdisches Gemeindehaus, unmittelbar neben dem
Seinsheimer Schloss gelegen, brannte 1714 ab. So sah man sich
gezwungen, eine neue Synagoge zu bauen. Sie entstand 1714 im
jüdischen Viertel; das Geld dazu gab die Familie des Oberhoffaktors
Wertheimer. Völlig erneuert wurde sie im
Jahre 1885. Der südliche Teil, in Richtung Pförtleinsgasse,
beherbergte die israelitische Schule mit Lehrerwohnung,
der anschließende Teil die eigentliche Synagoge und ein Ritualbad
im Keller.
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Der Bevölkerungsanteil der jüd. Mitbürger an der
Gesamtbevölkerung betrug im Jahre 1866 5,43%, 20 Jahre später
(1886) bereits 13,37%, nach der Jahrhundertwende sank er auf 8 bis
10%. Der Spottname "Klein-Mokum", den der Ort zu dieser
Zeit getragen
haben soll, stellte die Handelsstadt Marktbreit an die Seite der
Handelsmetropole "Mokum", wie Frankfurt genannt wurde.

Ehem. Eingangsportal
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Ehrenmal für die
jüd. Gefallenen
des 1. Weltkriegs |

Byzantinische
Schmuckelemente |
Von der ehemaligen Synagoge in der Pförtleinsgasse 10, die heute
als Wohnhaus dient, blieb nur noch das Eingangportal zur Synagoge
und die Seitenfassade mit Resten byzantinischer Schmuckelemente
erhalten. Zugänglich sind sie von einer Seitengasse der Schustergasse. In
der Seitenwand erinnert eine alte Gedenktafel an die für ihre
Heimat gefallenen jüdischen Männer des 1. Weltkrieges.
Ein unrühmliches Kapitel der Geschichte Marktbreits sind die
schon zu Beginn der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts sich
manifestierenden antisemitischen Umtriebe. Die
zunehmende Politisierung im nationalsozialistischen Sinne und die
systematische psychische Verfolgung und physische Vernichtung Andersdenkender und
speziell jüdischer Mitbürger
erreichte ihren traurigen Abschluß in der Deportation der letzten
23 noch in Marktbreit ansässigen jüdischen Mitbürger im März
1942 in ein Vernichtungslager im Osten. Das jüdische
Leben, das jahrhundertelang das wirtschaftliche und kulturelle
Gesicht der Stadt mitgeprägt hatte, war damit erloschen. Soweit
jüdische Familien und deren Kinder vorher auswandern oder fliehen konnten, leben sie heute in der weiten Welt verstreut.
rjs
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