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| Volksschule
bzw. Deutsche Schule in Marktbreit Marktbreit ist ein Schulort mit jahrhundertealter Tradition. Eine Schule hat es in Marktbreit schon seit dem 15. Jahrhundert gegeben. Mit Einführung der Reformation im 16. Jahrhundert gab es grundlegende Änderungen: Der Grundstock zur Bildung der Einwohnerschaft wurde mit der Errichtung einer Lateinschule gelegt und ein zweiter Schulmeister berufen. Die deutsche Schule wurde erst 1601 gegründet. 1607 baute man ein neues Schulhaus auf dem ehemaligen Kichhof bei der evang. Kirche, in das auch eine Mädchenklasse kam. Die Kosten des Schulbaues wurden von der Herrschaft, aber auch von Marktbreiter Bürgern getragen. Nach dem allgemeinen Niedergang des Schulwesens im 30jährigen Krieg wurde 1697, unter Schwarzenberger Herrschaft, eine katholische Schulklasse eingerichtet, nachdem die von der Herrschaft beabsichtigte Aufhebung der konfessionalen Klassen scheiterte. Nach dem Übergang des Fürstentums in bayerische Herrschaft zu Beginn des 19. Jahrhunderts, bestand Schulpflicht für alle Kinder. 1821 gab es folgende Schulgliederung: Elementarklasse, Knabenklasse, Mädchenklasse. Außerdem gab es eine einklassige katholische Schule und eine jüdische Volksschule. 1831 wurde aus Stiftungsmitteln einer begüterten Mitbürgerin ein eigenes Mädchenschulhaus gekauft. Ebenso stiftete 1855 der damaligen Gerichtsarzt sein Haus der Elementarschule sowie Mittel für das Schulgeld zur Unterrichtung armer Kinder. 1871 wurde eine neue katholische Volksschule erbaut, nachdem die vorherige räumliche Unterbringung untragbar geworden war. Eine neue protestantische Volkschule entstand 1879, womit das Schulhaus von 1601 ausgedient hatte. Gegen Ende des letzten Jahrhunderts wurden konfessionell und geschlechtlich gemischte Klassen gebildet, gegen die es aber heftige Proteste des kath. Pfarrers und der Eltern gab. Trotzdem bestand eine sog. Simultanklasse bis 1915. 1919 endete die geistliche Schulaufsicht, aber auch das sog. Präsentationsrecht der Fürsten zu Schwarzenberg. Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs, erst 1949 hatte jede Klasse wieder einen eigenen Lehrer, gab es eine Katholische und Evangelische Volksschule. Nach erbittertem kirchlichem Widerstand wurde 1960 eine "Gemeinschaftsschule" eingeführt, die heute in Grund- und Hauptschule gegliedert ist. Die Industrieschule Sie wurde 1789 im Hochstift Würzburg eingeführt und unter bayerischer Herrschaft etwa um 1820 übernommen. Der Unterricht, parallel zum Besuch der Werktagsschule, entsprach dem heutigen Handarbeits- und Werkunterricht für Mädchen und Knaben. Der Besuch war jedoch nur für die Mädchen Pflicht. 1909 gründete der Evangelische Krankenverein eine Privatarbeitsschule, aus der die sogen. "Weißnähschule" hervorging, die von 40-50 Mädchen besucht wurde. Höhere Töchterschulen im 19. und 20. Jhdt. 1857 richtete das Ehepaar Scherer eine priv. Lehr- und Erziehungsanstalt für Mädchen ein, in die sich zu Beginn 10 Mädchen einschrieben, 8 Marktbreiter und 2 Auswärtige. Frau Scherer hatte ihre Ausbildung in Paris und Nancy erhalten, und so sollte die Sprache des Hauses Französisch sein, die Unterrichtssprache allerdings Deutsch. Die Schule bestand nur bis 1863. Wenige Jahre später, 1872, eröffnete der jüdische Lehrer Isaak Regensburger eine neue Bildungseinrichtung für "Mädchen ohne Unterschied der Konfessionen", die nur bis 1876 Bestand hatte. Nachdem 1907 Stimmen laut wurden, den Mädchen in Marktbreit eine bessere Schuldbildung zu ermögliche, wurde vom evang. Pfarrer eine fünfklassige höhere Töchterschule gegründet, die großen Zulauf und breite Zustimmung fand. 1911 erließ Bayern eine neue Schulordnung für "Höhere Mädchenschulen neuer Ordnung". Da für die Umwandlung die Mittel für Lehrkräfte und Räumlichkeiten fehlten, wurde die "Privattöchterschule" bis zum Schuljahresende 1922 weitergeführt, zu dieser Zeit die einzige dieser Art in Bayern. Lateinschule Aus der Zeit um 1500 gibt es Hinweise auf Lateinunterricht für Knaben des Ortes durch verschiedene Lehrer. Eine reguläre Lateinschule entstand vermutlich um 1560. Im Lehrplan von 1564 wird u. a. erwähnt, dass der Unterricht die Fächer Latein, Griechisch, "edle Verskunst", sowie die "Unterweisung in der Logik und systematischen Theologie" umfasste. Mädchen waren vom Besuch der Lateinschule ausgeschlossen. Die lateinische Schule hatte ein ehrenvolles Ansehen. Einer seiner Schüler wusste seinen Schulort in einem lateinischen Gedicht (1598 in Leipzig gedruckt) zu preisen. Seine "Stadt" prange mit schlösser-ähnlichen Gebäuden, welche große Summen und schwere Arbeit gekostet haben. Auch empfange und verschicke sie Kaufmannsgüter. Mit mancherlei Sachen beladene Flöße kommen hierher. Vergnügen bereite es, die Schiffe ankommen zu sehen. Die Lateinschule, auch Magistrats- oder Rektoratsschule genannt, bestand mit kurzen Unterbrechungen bis 1860. Private Handelsschule Der Handelsaufschwung Marktbreits im 18. und der ersten Hälfte des 19. Jhdts. führte viele Söhne fremder Kaufleute zum Erlernen des Handels nach Marktbreit. 1845 sammelte der jüdische Lehrer Samuel Wohl junge Kaufleute um sich, um sie in den Handelswissenschaften zu unterrichten. Er erreichte die Anerkennung einer privaten Handelsschule mit Internat im Jahre 1849. Diese konfessionell offene Schule hatte zeitweise über 100 Schüler in 5 Jahrgangsklassen. 1874 wurde sie von 137 Schülern besucht, wovon 120 im Internat lebten. Sie kamen aus allen Teilen Deutschlands, aber auch aus verschiedenen Staaten Europas sowie Nord- und Südamerika. 1875 übernahm einer seiner Lehrer das Institut und Internat, das ab 1878 als "Städt. Handelsschule Marktbreit" firmierte. 1905/1906 ging die private "Real- und Handelschule des Josef Damm" in den Besitz von Franz Köppl über. 1923/24 wurde die Aufnahme von Mädchen in die 1. Klasse genehmigt, nachdem in Marktbreit, Ochsenfurt und Uffenheim keine Realschule für diese bestand. 1937/38 wurde sie, nach Änderungen im Lehrplan, in eine 5-klassige "Städtische Oberschule" umgewandelt. Nach Unterrichtseinstellung gegen Ende des 2. Weltkrieges konnte die Schule am 1. April 1946 als "Städtische Realschule Marktbreit" wieder eröffnen. Gymnasium Marktbreit Der Wille der Stadt Marktbreit, diese Schule in kommunaler Trägerschaft fortzuführen, hatte die Genehmigung einer 7. und 8. Klasse und den Vollausbau zur Folge. 1948/49 bestanden mit 12 Jungen und 3 Mädchen die ersten Abiturienten Marktbreits die Reifeprüfung. 1952 wurde die Bezeichnung "Städtische Oberrealschule Marktbreit a. M." eingeführt. Der Unterricht fand im Seinsheimer Schloss statt. Erst 1958 wurde das Lehrpersonal, und 1965 die Sachaufwandsträgerschaft an den bayer. Staat bzw. Landkreis Kitzingen abgegeben. Ein neues Schulhaus bezog man im Mai 1964, das nach wenigen Jahren, Anfang der 70er Jahre, erweitert werden musste. Das Gymnasium Marktbreit hat einen mathematisch-naturwissenschaftlichen und einen neusprachlichen Zweig. Waren es in den ersten Jahrzehnten erheblich mehr Schüler als Schülerinnen, ist seit den 80er Jahren das Verhältnis ausgewogen oder die Mädchen stellen die Mehrzahl. Das Gymnasium Marktbreit spielte und spielt im Leben der Stadt eine beachtliche Rolle und bereichert es durch viele Aktivitäten im musischen, kulturellen und sportlichen Bereich. Leo-Weismantel- Realschule Marktbreit Im Herbst 1947 wurde von Edgar Köppl ein Internat für 120 Schüler eröffnet, deren Schüler die damals vorhandenen Schulen besuchten. Mit dem Aufbau einer Privaten Realschule wurde 1950 begonnen. 1960 übernahm ein Verein die Trägerschaft, und die Schule hieß fortan "Private Mittelschule" für Knaben". Das Schülerheim wurde als selbständiger Betrieb weitergeführt. Die staatliche Anerkennung wurde der Schule 1961 verliehen. Zu einem technischen kam später noch ein sozialkundlicher Zweig hinzu. Durch Neu- und Umbauten wurden die Schulgebäude ständig den jeweiligen Anforderungen angeglichen. Seit 1988 trägt die Schule den Namen "Leo-Weismantel- Realschule", den Namen des bedeutenden fränkischen Kulturpolitikers, Pädagogen und Schriftstellers (1888 - 1964), der sich hier im Jahre 1919 niedergelassen hatte und das Forschungsinstitut "Schule der Volkschaft für Volkskunde und Erziehungswesen" begründete. rjs |